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HDBW - Hochschule der Bayerischen Wirtschaft Neuheiten
02.07.2020

Gründen im Studium - Localstoring

Gründen im Studium: localstoring

Was wäre, wenn in Deinem Kellerabteil noch Platz ist - und in der Nachbarschaft jemand vorübergehend Platz zum Einlagern seiner Sachen benötigt? Wenn man dann über eine App ganz leicht zueinander findet - die mit Platz und der, der Platz benötigt? Diesen Bedarf hatte HDBW-Absolvent Julius Bär selbst - und hat darauf das Geschäftsmodell des Start-ups Localstoring aufgebaut. Nach seinem Wirtschaftsingenieurwesen-Studium an der HDBW sind er und seine Mitgründer damit durchgestartet. Ein Interview...

Wie ist die Idee zu localstoring entstanden?

Als ich mit meiner Freundin zusammen gezogen bin, kam die Frage auf, wo wir das doppelte Mobiliar unterbringen. Als wir uns nach self-storage Angeboten umgesehen haben und diese für ein paar qm über 250 € im Monat haben wollten, dachten wir uns, das muss auch anders gehen.

Zeitgleich hatte ein guter Freund (und einer der Mitgründer) in seinem Keller noch genügend Platz und so habe ich ihn gefragt, ob ich denn nicht meine Sachen unterstellen könnte. Als ich ihm ein wenig Miete dafür zahlen wollte, konnte er es gar nicht fassen, dass jemand Geld für seinen ungenutzten Platz ausgeben will. So ist die Idee zu Localstoring entstanden: Wir verbinden als Marktplatz genau diese zwei Seiten und stellen als Plattform einige Services wie online buchen, bezahlen und eine kostenfreie Versicherungspolice.

 

War der Wunsch zum Gründen schon vorher da?

Localstoring ist nicht meine erste Firma, ich hatte bereits zuvor mit einem der anderen Localstoring Mitgründer ein online-Marketing Asset Netzwerk aufgebaut welches wir mit Affiliate Programmen und Google Ads profitabel monetarisiert und skaliert haben. Es ist also immer die Lust dagewesen etwas Neues aus dem Nichts zu erschaffen. Mit Localstoring lösen wir zudem ein Problem, das wir privat hatten.

 

Wie war das Vorgehen, nachdem die Idee da war?

Die Idee von Localstoring und das Produkt an sich ist zusammen mit den Endkunden entstanden. Wir haben nicht vorab und heimlich ein Produkt gebaut, welches wir danach vermarkten mussten. Wir haben das Feedback der ersten 50 Pilotkunden zu Funktionalität, Design und Umsetzung eingeholt und unter ständigem Austausch rückwärts einen Marktplatz aufgebaut. 

Amazon ist Vorreiter in diesem Vorgehen und hat gezeigt wie erfolgreich es ist, wenn man den Kunden in den Mittelpunkt stellt. Das kann man sich dann ungefähr so vorstellen: Ein potenzieller Kunde wird angerufen und gefragt  "Wenn es solch ein Produkt geben würde, welche Funktionen würden Sie sich wünschen? ". Natürlich sollten unsere Kunden nicht nur das bekommen, was sie sich wünschen, sondern auch positiv überrascht werden. So haben wir beispielsweise einen 24/7 Multichannel Kundensupport, eine kostenlose Versicherung und weitere Funktionen in das Produkt einfließen lassen.

 

Haben sich Studieninhalte als nützlich erwiesen?

Vor allem das Querdenken eines Wirtschaftsingenieurs und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachbereichen wurde durch das Studium an der HDBW gefördert. Ich konnte zwar zu Beginn nicht direkt den Businessplan erstellen, die Buchhaltung durchführen, die DSGVO aufsetzen oder die AGB rechtlich absichern, hatte aber direkt einen Überblick um was es geht, wen ich ansprechen muss und was zu tun ist.

Der Baukasten wie ich mich tiefer in die jeweiligen Bereiche einarbeiten kann wurde definitiv durch das Studium geprägt.

 

Wie lange dauerte es circa von der Gründung bis zur ersten Transaktion?

Ein Marktplatz, welcher beide Seiten zugleich skalieren muss - Vermieter/ supply und Mieter/demand - ist eine der schwierigsten Disziplinen (Henne-Ei Problem). Wenn keine Angebote und Vermieter auf der Plattform sind, kommt kein Mieter. Vice versa kommen keine Vermieter, wenn niemand Ihre Angebote buchen will. So war es zu Beginn am wichtigsten, auf eine kritische Masse an Vermietern in München zu kommen und weniger, direkt eine Transaktion verbuchen zu können. Jedoch haben wir gemerkt, dass die Nachfrageseite wesentlich stärker ist als die Angebotsseite. So hat es nur einige Wochen nach dem eigentlichen Launch gedauert bis der erste Umsatz verbucht wurde.

Und dann ist auch die Presse darauf eingestiegen - hier z.B. ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung über Localstoring.

 

Wie lief das mit dem Kapitalbedarf für das Start-Up?

Das Schöne an unserem Team ist, dass wir sehr "lean" unterwegs sind. Das ist auch dadurch bestimmt, dass wir aus jeder Fachrichtung, die nötig ist um einen Marktplatz in diesem Bereich aufzubauen, einen Ansprechpartner haben. Wir haben einen Backend-Entwickler, einen Frontend & UI/UX Experten und einen Ansprechpartner für die wirtschaftlichen und rechtlichen Themen. So können wir komplett autark und Inhouse arbeiten und haben kaum Fixkosten, da wir nichts outsourcen müssen. Alles Restliche wird über Kontakte aus unserem Netzwerk oder Plattformen wie  Fiverr abgewickelt.

Für zusätzliches Know-how und Netzwerke sind wir zum Beispiel Teil des LMU EC Accelerators bei welchem selektierte Start-ups gefördert werden, gewesen. Um Localstoring jetzt nach der ersten Traktion größer zu skalieren, befinden wir uns in den Endzügen unserer ersten Kapitalerhöhung durch externe Geldgeber.

 

Was sind aktuell die größten Herausforderungen?

Wir haben gemerkt, dass die Qualität der Vermieter wichtiger ist als die reine Masse an Angeboten. Wir versuchen also aktuell qualitative Vermieter auf die Plattform zu bringen und mit passenden Mietern zu verbinden. Das klappt bisher ganz gut, außerdem hilft uns das stetige Kundenfeedback um weitere Services und Funktionen einzubauen. So kann man mittlerweile mit modernsten Zahlungsdienstleistern bei uns bezahlen (Paypal, Klarna, etc.) und Angebote sogar auf Stunden-Basis buchen, falls erwünscht.

Eine der größten Herausforderungen ist, den potentiellen Partnern zu vermitteln, dass jemand wirklich dazu bereit ist für einen halbleeren Keller 80 € im Monat Miete zu zahlen. Wenn man nicht selbst in der Situation ist und dringend Platz benötigt, geht das rasante Wachstum und kartellartige Verhalten der großen kommerziellen self-storage Firmen gänzlich an einem vorbei. Allerdings hat man in diesem doch sehr  "uncool " wirkendem Markt als  shared-economy Start-up großes Potenzial, um durch neuartige Konzepte für alle Parteien einen wirklichen Mehrwert zu schaffen. So zahlen unsere Mieter bis zu 80 % weniger als bei herkömmlichen Anbietern, können direkt lokal in der Nachbarschaft lagern und profitieren von einem komplett digitalem Abwicklungssystems. 

Aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen Beschränkungen durch Corona verzögert sich unsere erste Finanzierung zwar etwas, und wir merken, dass natürlich die Besichtigungen und Lagervorgänge zurückgehen. Jedoch ist das dank unserer Kostenstruktur und Finanzplanung kein existenzielles Problem für uns.

 

Was würden Sie aktuellen Studierenden als Tipp mitgeben, wenn diese über eine Firmenidee/Gründung nachdenken?

Es gibt sehr viele Förderungen für Gründer*innen in Deutschland, hier auf jeden Fall umsehen, ob etwas Passendes dabei ist ( z.B.  EXIST). Einfach anfangen, es gibt relativ wenig zu verlieren. Am Ende ist die gewonnene Erfahrung mehr wert, als alles andere.

Wenn man zu Beginn nicht genug Know-how im eigenen Team hat, z.B. Entwickler*innen, ist das kein Grund nicht zu starten. Es gibt in München zahlreiche Events die  gründungsinteressierte Personen verschiedener Fachrichtungen zusammen bringen, oder man behilft sich zu Beginn mit Freelancern aus Regionen mit günstigen Gehaltsniveaus (Fiverr, Upwork).

Ansonsten würde ich raten den Termin für die Gründung an sich soweit  rauszuschieben wie möglich. Mit Beginn der offiziellen Gründung kommen in Deutschland wesentliche Nachteile auf: Zum einen fallen direkt Kosten für Gründung, IHK, Jahresabschluss etc. an und Themen wie die monatliche UStVA, steuerliche Anmeldung etc. fressen viel Zeit.

Während des Studiums würde ich auf jeden Fall versuchen in einem Start-up Praxiserfahrung zu sammeln. Auch, wenn man später nicht selbst gründen möchte und beispielsweise lieber in einem Konzern arbeiten möchte wird eine solche Erfahrung immer einen hohen Mehrwert haben. So haben wir aktuell einen Studenten der HDBW im Praxissemester bei uns, der von Finanzplanung, Social-Media-Marketing, Accelerator Coachings über Investorengespräche in alle Themen involviert ist. Neulich unterstützte er uns beim Dreh einer Werbekampagne mit dem Rapper Eko Fresh und der Influencerin Bonnie Strange, eine Erfahrung, an die wir alle uns noch länger zurückerinnern werden. Das Video auf YouTube vermittelt einen Eindruck davon...

 

Bei weiteren Fragen könnt Ihr Euch jederzeit bei Julius@localstoring.com melden.

Und wenn Ihr selbst noch Platz freihabt  - wisst Ihr jetzt, was zu tun ist!

 

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